Hans-Bruno Amberge, Lonau

Manchmal erreichen das Deutsche Kameramuseum im fränkischen Plech bei Nürnberg Angebote, die kann man einfach nicht ablehnen. So die Anfrage von Stephan Amberge, ob man an einer antiken Studiokamera interessiert sei. Ein Monstrum von Kamera, zwei Meter hoch. Man wolle kein Geld dafür, denn man möchte so ein stolzes Dokument der Kamerabaukunst nicht zum Wertstoffhof bringen müssen. Das Wohnhaus des 2024 verstorbenen Sammlers Hans-Bruno Amberge (Bild) werde gerade für den bald anstehenden Verkauf ausgeräumt.

Winterliche 700-Kilometer-Tour zur Abholung im Harz

Stephan Amberge (rechts) besiegelte die Übergabe der Spende per Handschlag mit Fördervereins-Vorstandsmitglied Georg Klerner-Preiss. Bild: Felix Leibold

Eine der ersten Fragen der Museumsleute lautete dann: „Wo steht denn das gute Stück?“ Bei der Antwort „In Lonau“ war die anfängliche Begeisterung leicht gedämpft. Denn Lonau, so wusste Google, ist ein Luftkurort im Oberharz und Ortsteil der Stadt Herzberg am Harz im Landkreis Göttingen in Niedersachsen. Und das ist von Plech laut Google Maps so um die 350 Straßenkilometer entfernt. Einfache Strecke. Und im Winter. Nicht gerade ein Spaziergang in die Nachbarschaft.

Um es kurz zu machen: Seit Anfang 2026 steht das gute Stück – eine tschechische OKA, über die wir im Internet und in der Literatur bisher überhaupt nichts herausfinden konnten – doch im Saal für Großgeräte im Deutschen Kameramuseum. Fördervereins-Vorstandsmitglied Georg Klerner-Preiß und sein Enkel Felix Leibold aus Michelau waren wieder einmal mit einem Lieferwagen unterwegs und holten das gute Stück ab. Und dazu noch eine ebenso attraktive Sinar-Studiokamera.

Beide Kameras sind Schmuckstücke aus der Sammlung von Hans-Bruno Amberge, der sein Hobby Fotografie mit seinen Dienstpflichten bei der Polizei verbinden konnte und eine interessante Biografie aufweist. 1943 in Duisburg geboren und aufgewachsen in einem Waisenhaus, musste er sich durchs Leben kämpfen. Viel Freude hat ihm die Ausbildung zum Schlosser bereitet. Kurz nach Abschluss der Ausbildung musste er als Wehrpflichtiger zur Bundeswehr. Danach ging er zum Bundesgrenzschutz, wo er sich für einige Jahre verpflichtete.

Start in die Fotografie mit Tatortfotos als Polizeibeamter

Danach bot sich die Chance, zur Polizei zu wechseln, und er versah seinen Dienst erst in Kassel, später in Bad Lauterberg. Der vielseitig interessierte Beamte wurde bald zur fotografischen Dokumentation von Tatorten und Leichen eingesetzt. Das war damals für Hans-Bruno Amberge der Start in der Fotografie. Die liebsten Kameras waren ihm die Rolleiflex 2,8 und die Rollei SL 66. Auch im privaten Fotolabor hat er, wie er immer erzählte, viele schöne Stunden verbracht.

Die OKA-Studiokamera aus der früheren Tschechoslowakei ist schon ein wahrer Koloss von zwei Metern Höhe. Hans-Bruno Amberge hat die Rarität selbst in seiner hauseigenen Schreinerwerkstatt sachkundig und behutsam restauriert. Daraus wurde ein Prunkstück seiner Kamerasammlung und jetzt ein Hingucker in unserem Museum. Die Fotos zeigen Fördervereins-Vorsitzenden Dr. Alexander Eisgrub (links) und Georg Klerner-Preiß beim Aufstellen in Plech. Bilder: Felix Leibold

Ab etwa 2010 hat sich Amberge mit Großformat-Kameras beschäftigt, damit gearbeitet und sich zum Schluss die große hölzerne Studiokamera OKA gekauft. Die musste er allerdings erst restaurieren, was ihm aber dank eines anderen Hobbys leichtfiel und absolut gut gelang. Denn oben in seinem Haus hatte er eine komplette Schreinerei mit allen möglichen Maschinen – Tischkreissägen, komplett mit professionellen Absaugvorrichtungen, und vieles mehr – eingerichtet.  Ein Steckenpferd war das Restaurieren von alten Truhen und Schränken gewesen, das fing er schon als junger Mensch an.

„Jäger und Sammler“

Neben der Fotografie war Hans-Bruno Amberge ein leidenschaftlicher Jäger und war zuletzt im Jahr 2023 in Polen zur Jagd. Beide Hobbys konnte er gut verbinden. Oft hat er die Ruhe im Wald und das Erwachen der Tierwelt genossen, gerne beobachtet und natürlich fotografiert. Taschenuhren und große Uhren waren ein weiteres Thema, das dem „Jäger und Sammler“ viel Freude bereitete, ebenfalls die Beschäftigung mit der Musik.

Sein Sohn Stephan Amberge, von Beruf Techniker der Elektrotechnik, teilte die eine oder andere Leidenschaft seines Vaters und suchte und fand im Deutschen Kameramuseum einen geeigneten Abnehmer für die Prunkstücke aus der Sammlung seines 2024 in Lonau verstorbenen Vaters.