Stephan Tanner, Saponcourt, Frankreich

Dass wir aus ganz Deutschland, interessanterweise zunehmend aus der Schweiz, sowie vereinzelt aus Österreich, Großbritannien, den USA und Kanada wertvolle Kameraspenden erhalten, ist inzwischen schon Routine. Aber dass sich eine in Frankreich wohnende Witwe mit einer E-Mail in perfektem Deutsch an das Deutsche Kameramuseum im fränkischen Plech mit der Ankündigung wendet, dass sie die fotohistorischen Schätze ihres verstorbenen Ehemannes Stephan Tanner (Foto) unserem Museum anvertrauen will - das war Mitte April 2026 doch eine Überraschung. Und was für eine!

Aus Tansania über die Schweiz und Frankreich nach Franken

Die „Französin“ entpuppte sich schnell als muttersprachliche Schweizerin und die „recht umfangreiche Sammlung“ in den Verhandlungen als ausgesprochene Preziosen von der Contax I über eine Nikon F mit Motor und Photomic Sucher FTn und diverse Rolleiflexen bis zu Leicas, einer Alpa und einer Contessa-Nettel Tropen-Deckrullo. Und ein paar Dutzend attraktiver Apparate mehr, die da Fördervereins-Vorstandsmitglied Lutz Steinfurth im Mai 2026 aus Saponcourt in Frankreich abholte und im „Homeoffice“ in Wassenberg an der holländischen Grenze fürs Plecher Museum aufbereitete.

Das Video zeigt einige Schätze aus der Spende Tanner aus Frankreich. Von links: Alpa 10 d, Leitz Leica M 3 mit Summilux 1:1,4/50 mm, Nikon F mit Photomic Sucher FTn und Motor F-36, Nikon FM 2/T (Titan) mit Nikkor 1:2,0/85 mm und MD-12 und Rolleiflex 3,5 F. Video: Kurt Tauber

Geboren im ostafrikanischen Tansania, Karriere in Basel

Wer war dieser fotografische Kenner und Könner, der seine Geräte auch im praktischen Einsatz hatte? Seine Eltern, gebürtige Schweizer, lebten im ostafrikanischen Tansania, wo Stephan Tanner 1951 geboren wurde. 

Die Freude an der Fotografie wurde offenbar von seinen Eltern sowie weiteren fotobegeisterten Familienangehörigen auf ihn übertragen. Beinahe automatisch erlag er, wenn eine Kamera neu angeschafft wurde, der Faszination der Technik, was seine spätere Passion, sie zu sammeln, erklärt. Somit blieben die schönen und interessanten Stücke erhalten und Erinnerungen konnten immer wieder aufgefrischt werden.

Seine berufliche Laufbahn verlief fast ausschließlich in der chemischen Industrie in Basel (Schweiz). Nach einer Berufsausbildung zum Chemielaboranten sowie stetiger Weiterbildung fand Tanner sehr bald seine Berufung als Fachlehrer für Auszubildende. 

Präsentation seiner Schätze vor Publikum

Da er es verstand, seine Leidenschaft auf andere zu übertragen und er sich gerne mit anderen Sammlern austauschte, veranstaltete er hin und wieder Foto- und Fotoapparate-Ausstellungen. Eines gibt das andere und so wurde seine Sammlung immer etwas größer, oft auch durch Schenkungen von Besuchern seiner Ausstellungen.

Nach der vorzeitigen Pensionierung 2001, wanderte Stephan Tanner mit seiner Frau in die schöne Haute-Saône nach Frankreich aus, wo er 2022 verstarb. Von dort aus fand die umfangreiche Sammlung seiner Fotoapparate den Weg in das Deutsche Kameramuseum in Plech, um, wie es seine Witwe Susi Tanner formulierte, „der Nachwelt erhalten zu bleiben und weiterhin möglichst vielen Interessierten Freude bereiten zu können“.

Erstellt: 20.05.2026