So etwas wie eine deutsch-deutsche Kuriosität: Ein West-Konzern, die Jos. Schneider GmbH, übernimmt nach der Wiedervereinigung die Marke Pentacon aus der Ex-DDR und baut die Praktica BX 20 S, etwas verändert, als BX ED H noch ein paar Jahre weiter und zwar speziell für – auch – westdeutsche Polizeidienststellen. Geschäftlich war das aber wohl nicht der große Erfolg: Wahrscheinlich wurden insgesamt nur etwa 150 Systeme gebaut. Zwei Kamera-Typen davon landeten aus einer Spende der Polizeiinspektion Osnabrück im Deutschen Kameramuseum.
Optisch ist die BX ED H bis auf die Beschriftung komplett eine Praktica BX 20 S und technisch prinzipiell ebenfalls, aber mit einigen Modifikationen. Die auffälligste: die Buchse für die 6-Volt-Stromversorgung via Netzteil (Betrieb mit Batterie war nicht möglich) mitten im Handgriff (links im Bild). Die wichtigste: Das Negativformat beträgt nur 18 x 24 mm im Hochformat auf Kleinbildfilm 135. Die 1996 erschienene Kamera ist Teil eines speziellen Systems für die Polizeiakten und Fahndungsfotos. Zum System gehört auch die Praktica BX ED V, ebenfalls eine Halbformat-SLR. Beide Kameras waren in das von der Berliner Firma Dunco, der Kriminalpolizei sowie Jos. Schneider, Feinwerktechnik Dresden, entwickelte LIBAS-System (Licht-Bild-Aufnahme-System) integriert. Zur Erklärung:
BX ED H bedeutet: ED = Erkennungs-Dienst und H = Negativ-Halbformat (18 x 24 mm).
BX ED V bedeutet: ED = Erkennungs-Dienst und V = Negativ-Vollformat (24 x 36 mm).
Dazu gehörte ein entsprechendes Steuerpult, an das in einem speziellen Stativgestell mit fest montierter Beleuchtung zwei dieser Spezial-Prakticas angeschlossen werden konnten: eine für Hochformat- und eine für Querformataufnahmen. Über das Steuergerät wurden dann die Daten des „Delinquenten“ beim Kopieren eingefügt. Das Vorgängermodell war übrigens die Praktica BX 20 H aus dem Jahr 1993.
Weitere technische Daten:
Stufenlos arbeitender, elektronisch gesteuerter Vertikalverschluss mit Lamellen aus Metall. Fest eingebautes Pentaprisma, im Sucher über 16 LEDs angezeigte Verschlusszeiten auf der rechten Seite des Sucherbilds, unten eingespiegelte Blendenwerte der Objektive mit Praktica-B-Bajonett (elektronische Steuerung). Das begrenzte Negativformat ist im Sucher durch dünne Linien markiert. Normalobjektiv (im Bild): Pentacon Praktica MC 1:1,8/50 mm.
Schnellschalthebel zum Filmtransport, im Kameraboden Anschlussmöglichkeit für den Praktica BX Winder (4 x Batterien 1,5 Volt AA), automatische Nullstellung des Zählwerks beim Öffnen der Rückwand, ausklappbare Rückspulkurbel. Mittenbetonte TTL-Belichtungsmessung (25 bis 5.000 ASA für automatische Filmempfindlichkeitseingabe über DX-Kassetten; 25 bis 400 ASA für manuelle Filmempfindlichkeitseingabe) mit elektronischer Blendensteuerung (EDC) für Messungen bei offener Blende mit einem Silizium-Fotosensor, automatische Belichtungskorrektur, TTL-Blitzsystem. Blitzanschluss über Hot Shoe auf dem Sucherprisma, X-Synchronisation bei 1/100 Sekunde.
Hintergrund:
Die Firma DUNCO Apparatebau GmbH & Co. KG war ein traditionelles Berliner Familienunternehmen, das im Jahr 1953 gegründet wurde. Bis Ende 2008 hieß DUNCO Apparatebau „Schüler Grundstücks GmbH“ mit Egon Schüler als Inhaber. 2009 wurde das Unternehmen von Werner Lichy übernommen.
Siehe auch: Praktica BX 20 H.