Ferdinand Merkel gründete im Jahr 1900 in Tharandt nahe Dresden ein Kamerawerk. Zu dieser Zeit war der Großraum Dresden das Zentrum der deutschen Kameraindustrie. In Dresden gab es um die Jahrhundertwende drei große Kamerahersteller, deren Gründer Heinrich Ernemann, Emil Wünsche und Richard Hüttig waren. Als Merkel seine Produktion mit vier Mitarbeitern und einem Lehrling aufnahm, war Hüttig & Sohn mit 800 Mitarbeitern bereits Europas größter Kamerahersteller. Merkel spezialisierte sich auf tropentaugliche Plattenkameras, nach 1911 wurden auch Klappkameras gefertigt. Als sich das Unternehmen 1930 auf 30 Mitarbeiter vergrößert hatte, bot man auch eine Kamera aus Bakelit an, dem Vorläufer des Kunststoffs. Vor dem ersten Weltkrieg hatte Merkel immerhin 77 Mitarbeiter. 1931 war zudem eine dem damaligen Trend entsprechende Rollfilmkamera mit dem Filmformat 3 x 4 im Angebot, die Merkel Metharette. Obwohl Merkel 1930 Finanziers gewinnen konnte und das Unternehmen in Form einer Kommanditgesellschaft fortführte, kam es 1932 zu großen finanziellen Schwierigkeiten. Kurz zuvor hatten zwei wichtige Konstrukteure bei Merkel gekündigt, um ein eigenes Unternehmen zu gründen (Schmitz & Thienemann). 1932 musste Ferdinand Merkel aufgeben, die Produktionsstätte übernahmen die Eheleute Richter mit den C. Richter Kamerawerken, später in der DDR zum VEB Reflekta Kamerawerke Tharandt verstaatlicht.