Interview Vernon Trend

Der international bekannte Akt- und Stilllebenfotograf Vernon Trent (Jahrgang 1967) stammt aus Rumänien, lebt und arbeitet in Düsseldorf und San Francisco und stellte vom 12. September bis 11. Oktober 2015 im Deutschen Kameramuseum im fränkischen Plech aus. Er hat einen guten Ruf wie Eberhard Schuy, macht überwiegend Stillleben, Porträts und Aktaufnahmen in Schwarzweiß und gestaltet sie im Labor zu wahren Kunstwerken, indem er die Abzüge im großen Format mittels alter Techniken veredelt, ihnen dadurch einen ganz eigenen Charakter verleiht. Er liebt die Dunkelkammerarbeit und alte Fotoapparate. 

Kurt Tauber hat ihn im Vorfeld der Ausstellung über seine Foto-Philosophie, seine Biografie und seine Arbeitsweise befragt. 

Lieblingsmodell Frau Fredau Wallace

Vernon Trent: "Ich liebe Pinholes!"

Kurt Tauber:  Herr Trent, besitzen Sie eigentlich auch Digitalkameras? Und wenn ja, was fotografieren Sie damit? Und was keinesfalls?

Vernon Trent:  Natürlich ja (lacht): Ein iPhone, aber auch eine Canon 40D. Damit fotografiere  ich Sachen in Farbe, reproduziere damit aber auch meine analogen Bilder, damit ich sie online stellen kann. Ich nehme keinen Scanner für meine Bilder, deswegen werden sie abfotografiert. Die Stillleben oder Akte selbst, meine Werke also, die fotografiere ich damit nicht. Manchmal fange ich auch bei einem Shooting allerdings digital an, damit das Modell schon mal Ergebnisse sieht und es dann locker wird und weiß, was gewünscht wird. 

Kurt Tauber:  Aus Ihrer Homepage und Ihren Bemerkungen dort geht hervor, dass Sie ohnehin nicht so technik-affin sind wie viele andere Fotografen. Sie schwelgen nicht in technischen Daten Ihrer Aufnahmegeräte und haben sogar irgendwo sinngemäß stehen, Amateure sorgen sich um ihre Ausrüstung, Profis um ihre Entlohnung, die „Meister“ um das richtige Licht, Sie aber „machen einfach Bilder“. „I just make pictures“ lautet auch der Titel Ihrer Fotoausstellung im Deutschen Kameramuseum in Plech. Bilder entstehen im Kopf, die Technik ist nur ein notwendiges, aber eher zweitrangiges Hilfsmittel?

Vernon Trent:  Technik-affin bin ich schon, aber ich schreibe nicht alle Daten auf. Die und die Kamera, die und die Linse, das nein. Ich habe meine Bilder im Kopf, und dann mache ich es einfach. Technik ist nicht zweitrangig, aber sie ist nur ein Mittel zum Zweck.

Kurt Tauber:  Und doch ist für Sie das Fotopapier, die Technik des Entwickelns und der Bearbeitung von ausschlaggebender Bedeutung für Ihre Werke, für Ihre spezielle Art zu arbeiten. Was ist bei der analogen Laborarbeit an Effekten und Aussagen möglich, die Sie nicht auch mit Photoshop & und Co. bewerkstelligen könnten?

Vernon Trent:  Alleine schon die Haptik und die Freude, zu sehen, wie das Bild rauskommt, ist im Labor einzigartig. Wie ein Bild dunkel oder weiterentwickelt wird. Dieses Erlebnis kann keine digitale Technik vermitteln.

Kurt Tauber:  Der Weg ist das Ziel?

Vernon Trent:  Das Gefühl des Erschaffens, das ist das reizvolle. Selbst zu entscheiden, wann es gut ist. Eingreifen zu können und zusehen, wie sich das Ergebnis verändert.

Kurt Tauber:  Ich kenne von Ihnen nur schwarzweiße Fotos. Ist das eine folgerichtige Selbstbeschränkung aufgrund Ihrer Arbeitsweise oder ist das eine Art Glaubensbekenntnis? Gibt es auch den farbigen Vernon Trent?

Vernon Trent:  Natürlich gibt es auch farbige Werke. Frühere Arbeiten zum Beispiel sind viel mit dem Kodak Ektachrome-Film entstanden. Den alten Portra habe ich auch gerne benutzt. Aber die Nachfrage nach meinen Schwarzweißarbeiten bestimmt natürlich auch meine Arbeitsweise. Schwarzweiß ist eine viel schönere „Spielwiese“ als Farbe. Ich kann bei der Weiterverarbeitung viel mehr anstellen mit dem Material und dem Motiv.

Kurt Tauber:  Ihr Lieblingsmodell scheint derzeit Fredau Wallace zu sein, eine Kanadierin? Sie haben eine Huldigung an dieses Modell in Form von mehreren aktuellen Fredau-Fotos in einer Präsentbox geschaffen, die im Deutschen Kameramuseum am Samstag, 12. September 2015, vorgestellt wird…

Vernon Trent:  Es gibt immer mal Fotoshoots, die hervorstechen aus allem. Dieses künstlerische Potential muss man dann ausnutzen. Es wirkt dann wie eine Huldigung, ist es vielleicht auch. Es gab möglicherweise jedes Jahr ein bevorzugtes Modell, ja, ganz bestimmt.

Kurt Tauber:  Arbeiten Sie grundsätzlich frei – also ohne Auftraggeber – oder ist das, was Sie so freigiebig und offenbar ohne Angst vor Copyrightverletzungen bei Facebook oder auf Ihrer Homepage veröffentlichen, nur die „Kür“? Ihre „Pflicht“  absolvieren Sie auf ganz anderem fotografischen Gebieten?

Vernon Trent:  Was man von mir im Internet zu sehen bekommt, ist Werbung für meine Bilder, meinen ganz persönlichen Stil. Aber es gibt auch Arbeiten, die nicht online sind und die auf speziellen Auftrag entstanden sind. Aber der größte Teil meiner Arbeiten ist schon frei entstanden.

Kurt Tauber:  Ihre bevorzugten Themenbereiche sind – offenbar – Akt und/oder Stillleben. Gibt es noch einen „unbekannten“ Vernon Trent, den Sie normalerweise nicht öffentlichen präsentieren?

Kurt Tauber:  Das bin ich halt: Meine Akte und meine Stillleben und die Porträts. Und Pinholes, ich liebe Pinholes! Und das sind dann die Landschaftsfotos.

Kurt Tauber:  Wir haben nun doch einiges über Vernon Trent als Künstler erfahren. Was möchten Sie uns noch über Vernon Trent als Person verraten? Unsere Leser interessiert alles!  Wo sind Sie geboren? Wie war Ihr beruflicher Werdegang? Wie alt sind Sie? Sie sind in einer Vielzahl von Galerien vertreten. Ein paar Beispiele bitte!

Vernon Trent:  Geboren bin ich in Rumänien, 1967. Nach Deutschland bin ich 1983 mit 16 Jahren gekommen. Ich hatte Elektrotechnik in Rumänien angefangen. Zur Fotografie kam ich schon mit acht Jahren. Der Großpapa hat viel fotografiert und ich durfte auch mal anfassen und tragen. Mit zehn hatte ich meine erste Fotoausstellung in der Schule, und es hat mich so fasziniert… Mein Vater hat aber gesagt: Lern was Anständiges, Künstler kannst du immer noch werden. Und so blieb es vorläufig auch. Die Fotografie war meine Passion, die man nicht unbedingt dadurch kaputtmachen muss, indem man damit seinen Lebensunterhalt bestreiten will. Seit 2005 lebe ich aber von meiner Kunst. In bin in Valencia (Spanien) bei der Galerie Kir Royal und beispielsweise bei art upfront in den Niederladen vertreten, in Deutschland habe ich derzeit keine Vertretung. Ich wohne und arbeite in Düsseldorf, in San Francisco habe ich eine kleine Niederlassung.  

Kurt Tauber:  Und schließlich: Warum engagiert sich ein international renommierter Künstler wie Sie so vorbehaltlos für das relativ junge Deutsche Kameramuseum in der fränkischen Provinz, das er bisher allenfalls aus dem Internet kennt?

Vernon Trent:  Ja warum? Warum nicht? Es gibt keine Gegenargumente. Ich wurde von Jens Werlein gefragt, ich hab‘ ja gesagt. Außerdem: Im Fränkischen hatte ich noch keine Ausstellung, in München schon. Auf das Museum wurde ich durch Facebook aufmerksam gemacht. Ich habe nämlich ein Herz für alte Kameras!

Kurt Tauber: Herr Trent, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Zum Bericht über die Ausstellung „I just make pictures“ …