Das Museumsexemplar mit der Seriennummer M 609890 ist etwas ganz Besonderes: Es ist eine Nikon M aus der allerersten Serie aus dem Jahr 1949, höchstwahrscheinlich eine der ersten etwa hundert tatsächlich in den Handel gekommenen Kameras dieses Typs. Die Top-Platte stammt von der nahezu baugleichen Nikon I, der Buchstabe „M“ wurde manuell ergänzt. Von der Nikon I wurden von März 1948 bis August 1949 insgesamt 739 Kameras gebaut, von denen jedoch etwa 230 noch vor der Auslieferung zu Nikon M umgebaut wurden. Der offizielle Serienstart der Nikon M war im März 1950.
Diese Nikons waren eigentlich eine Contax II mit Leica-Verschluss
Im Grunde waren die Nikon I und die Nikon M eine Contax II mit einem Leica-Verschluss. Sie wurde von Masahiko Fuketa konstruiert (1913-2001; später Nikon-Vizepräsident und Vorstandsmitglied). Das anfangs verwendete Filmformat von 24 x 32 mm wurde als „Nippon-Format“ deklariert. Es passte gut zum Seitenverhältnis der Fotopapiere und erlaubte 40 Aufnahmen pro Filmspule. Der Export von Kameras, die dieses Format verwendeten, war unmöglich, da es außerhalb Japans keinen Standard hatte und Filme nicht von Kodak verarbeitet werden konnten. Das war auch ein Grund, warum die Kameras nicht in den PX-Shops für US-Armeeangehörige im besetzten Japan angeboten wurden. Nur wenige Exemplare wurden nach Amerika exportiert.
Das ursprüngliche Nippon-Format (24 x 32 mm) wurde 1949 mit der Einführung der Nikon M auf 24 x 34 mm geändert. Ab der Nikon S 2 (1954) verwendete dann auch Nikon das 24 x 36-mm-Format. Die einzige weitere Neuerung bei der Nikon M gegenüber der Nikon I war die eingebaute Filmspulenrolle.
Das Objektiv hier ist ein lichtstarkes Nikkor-S.C 1:1,4/5 cm mit der Seriennummer 50051294 – ebenfalls aus der ersten Serie. Bei dem Objektiv zu dieser Kamera steht die 5008 für August 1950. Gesamtproduktion: nur etwa 1.500 Stück – davon die Hälfte mit Leica-Schraubanschluss, denn es gab auch einige wenige Kameras mit Leica-Gewinde.
Berühmt durch den LIFE-Fotografen David Douglas Duncan
Nikon wurde durch den damaligen Kriegsreporter der Zeitschrift „LIFE“, David Douglas Duncan, weltberühmt. Duncan lobte die Qualität der Nikon-Objektive, die er mit Leica-Schraubanschluss an seiner Leica verwendete, die den Erzeugnissen von Leitz und Zeiss überlegen seien. Nikon hatte nämlich seine Objektivserien wahlweise auch mit Leitz-M-39-Gewinde angeboten.
Technische Daten: Eingebauter Entfernungsmesser, Innenbajonettsteuerung über Entfernungsrad, zweiter Außenbajonettanschluss, Tuchverschluss, abziehbare Rückwand, Filmtransportdrehrad, Rückspuldrehrad, feste Filmspulenrolle, Umschalter für A (Betrieb) und R (Rückspulen). Alte Verschlusszeiten: T, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/20, 1/30, 1/40, 1/60, 1/100, 1/200, 1/500 Sekunde und B.
Auf der Oberseite ist das Markenlogo „Nippon Kogaku Tokyo“ eingraviert. Alle Gehäuse wurden in Chrom ausgeliefert. Auf Wunsch einiger Korea-Kriegsfotografen wurde zusätzlich eine kleine Serie mit schwarzer Lackierung produziert. Zirka 3.300 Kameras wurden hergestellt, davon etwa 1.700 mit Blitz-Synchronkontakt.
Die „609“ in der Seriennummer steht für den geplanten Produktionsbeginn im September 1946
Bei den frühen Nikon-Kameras sind die ersten drei Zahlen typspezifisch. Die 609 steht eigentlich für September 1946. Das war der Monat und das Jahr des geplanten Produktionsbeginns der ersten Nikon, des Modells I, von dem nur 739 Exemplare gebaut wurden. Die erste Nikon war die Nummer 609 1, die letzte Seriennummer der Nikon I war die 609739. Die hier vorgestellte Nikon M 609890 ist also die 890. produzierte Kamera der Marke Nikon überhaupt. Dabei muss man wissen, dass allerdings etwa 400 Kameras wegen Mängeln nie in den Handel kamen.
Dieses Set aus der großzügigen Nikon-Spende von Lutz Steinfurth kam komplett mit Original-Lederhülle, Objektivkappe und im Originalkarton ins Deutsche Kameramuseum. Sogar ein Silkicagel-Tütchen von damals ist dabei.
Heutzutage ist eine Nikon M extrem selten zu bekommen, hochpreisig und oftmals ein Spekulationsobjekt, egal in welchem Zustand.
Siehe auch: