Eine Kamera, die Rätsel aufgibt: Die drei Buchstaben „RHK“ stehen zwischen zwei parallelen Strichen in einem Logo, das von zwei ineinander reichenden Kreisen, ähnlich dem Symbol für Eheringe, umrahmt wird. Recherchen im Internet und in einschlägigen Veröffentlichungen über die DDR-Kameraindustrie rund um Dresden – die erste Vermutung zur Herkunft – erbrachten keine Erkenntnisse. Wie heißt der Apparat, wer hat diese Kleinbildkamera für den Film 135 gebaut? Und wann?
Der Machart nach – das Objektiv ist ein Ludwig Meritar 1:3,5 mit 50 mm (Seriennummer: 868153), abblendbar bis 11; kürzeste Entfernungseinstellung: 0,6 Meter – sieht der Apparat irgendwie aus wie ein Modell aus der Zeit der Sowjetzone oder der frühen DDR.. Der Objektivtubus ist nicht versenkbar. Der Verschluss („V“) dürfte auch aus der DDR stammen. Zeiten: T, B sowie 1/25 bis 1/100 Sekunde. Das Gehäuse ist aus schwerem Metallguss (450 Gramm), die Rückwand ist samt Bodenplatte aus Blech nach unten abziehbar. Befestigt wird dieses Teil mit einer massiven Rändelschraube im Boden, die gleichzeitig als Stativanschluss (3/8“) dient. Das Bodenblech und die Deckplatte sind verchromt. Die Belederung ist dunkelbraun ausgeführt. Die Kamera besitzt ein in der Oberkappe eingelassenes Bildzählwerk und einen Anschluss für einen Drahtauslöser.
Übrigens:
Weil diese Kamera so viele Fragen aufwirft, haben wir das unbekannte Foto-Objekt („UFO“) der versammelten Schwarmintelligenz der Mitglieder des Clubs Daguerre durch eine Veröffentlichung in der Vereinszeitschrift „Photo Antiquaria“ vorgestellt mit der Bitte um Identifizierung. Tatsächlich erreichte uns eine einzige Wortmeldung aus verschiedenen Veröffentlichungen, nämlich die Einschätzung von Dieter Riebe vom Club Daguerre:
„Ich habe mir die vorgestellte RHK-Kamera angeschaut und teile den Eindruck, dass sie in der Zeit unmittelbar nach Kriegsende 1946 entstanden sein muss. Während die Gehäuseform stark an die Altuca von EHO-Altissa erinnert, so scheint der Sucher von Max Baldeweg zu stammen, wie bei der Jubilette, aber verchromt.
Die beiden Drehknöpfe könnten wegen der Riffelung/Kordierung von Beier-Kameras stammen und modifiziert worden sein. Dabei wurde in Kauf genommen, dass der Drehrichtungspfeil bei beiden Knöpfen gleich ist, was für den Rücktransport in die Filmspule nicht stimmen kann – eventuell also von einer Kamera für Rollfilme mit Schutzpapier.
Ungewöhnlich ist das Blech im linken Filmfach, in dem die KB-Filmpatrone untergebracht sein muss, weil die Achse mit den beiden Stachelrädern sich rechts befindet. Liegt das Maul der KB-Kassette auf diesem Blech auf?
Der Verschluss ist von der Firma Gebrüder Werner Tharandt, eventuell ein Binor-Verschluss, bei dem die Blendenskala den Markennamen überdeckt.
Wer auch immer diese Kamera hergestellt hat, muss eine Tiefziehpresse für Boden und Deckel gehabt haben. Darüber hinaus mussten die Formen für den Stempel und das Gegenstück angefertigt werden sowie die Form für den gegossenen Kamerakörper. Einfacher war es, einige Einzelteile zu verchromen.“