Das Text- und Bild-Archiv des Deutschen Kameramuseums: Chancen und Probleme

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Bild: Kurt Tauber

Der "Tag der Archive" ist eine seit dem Jahr 2001 regelmäßig durchgeführte Veranstaltungsform, mit der sich Archive in der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz der Öffentlichkeit präsentieren. Seit 2009 findet der Tag der Archive stets in der ersten Märzhälfte statt, weil sich der Einsturz des Kölner Stadtarchivs am 3. März 2009 ereignete. 2024 war der Tag der Archive am 2./3. März. Anlass für die Plecher Museumsleute, einmal das Thema "Archiv" des Deutschen Kameramuseums zu beleuchten.

Sichern, Aufbewahren, Aufarbeiten, Veröffentlichen

Das Deutsche Kameramuseum in Plech entstand aus der Privatsammlung des Pegnitzer Lokalredakteurs Kurt Tauber (Jahrgang 1951), doch inzwischen wurde daraus eines der größten deutschen Museen für Fototechnik mit über 30.000 Exponaten aus allen Bereichen der Fotografie von Fotoapparaten (über 7.500 verschiedene), Laborgeräten und Filmkameras bis hin zu Diaprojektorenh (über 800 Exemplare). Und natürlich gibt es – leider noch viel zu wenig erforscht und ausgewertet, ein riesiges Archiv an Drucksachen und Büchern – beispielsweise mit schätzungsweise über 20.000 Gebrauchsanweisungen aus mehr als 100 Jahren Fotogeschichte.

Museumsgründer Kurt Tauber: “Natürlich ist es in erster Linie unser Anliegen, dafür zu sorgen, dass die Bedienungsanleitungen, Prospekte, Handbücher, Datenblätter und Reparaturanleitungen zu alten oder antiken Kameras nicht im Reißwolf landen und zu Klopapier verarbeitet werden. Aber natürlich wollen wir auch irgendwann in der Zukunft dahin kommen, dass diese riesigen Bestände an abertausenden Papieren einmal konsequent gesichtet und ausgewertet werden.” Idealerweise, so Tauber, müssten diese Schätze digitalisiert und der interessierten Fachwelt und Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Dass dies ein von lauter Ehrenamtlichen ohne jegliche staatliche Unterstützung am Leben gehaltenes Museum in der bayerischen Provinz niemals alleine schaffen kann, sei den Museumsleuten auch klar. 

Ganz bei null müsse man aber nicht anfangen. Tauber: “Die Bedienungsanleitungen sind immerhin zu 90 Prozent sortiert und zu jeder Zeit zugänglich, etwa wenn Fachbesucher zu uns kommen. Einige tausend sind digitalisiert und werden schon via Internet für eine kleine Aufwandspauschale Sammler zur Verfügung gestellt.

Dazu gibt es aberhunderte von Fach- und Kamerabücher, Bildbände und Biografien berühmter Fotografen. Einige laufende Meter Fotozeitschriften – die Amateur-Blätter ColorFoto und Fotomagazin seit Gründung – stehen in den Regalen. Dazu beispielsweise die Leica- und Nikon-Hefte, teils sorgfältig gebunden, Hefte und Broschüren aus der DDR, Fachzeitschriften für den Fotohandel, Kataloge der Fotoindustrie, Preislisten, interne Anweisungen an die Firmenvertreter, ehemals streng geheime Akten über die häufigsten Fehler der beliebten Kameramodelle, Reparaturanleitungen und und und…

Die Plecher Museumsmacher sind sich bewusst, dass sie in absehbarer Zeit – das heißt: in den nächsten Jahren – nicht dazukommen werden, das alles so zu sichten und zu sortieren, geschweige denn zu digitalisieren, wie man es gerne hätte. Deshalb sind externe Fotoenthusiasten immer willkommen, die sich solcher Aufgaben gerne annehmen. Das kann man auch in “Heimarbeit” von zuhause aus machen, denn per Internet ist man auf Wunsch immer mit dem Museums-Intranet verbunden. Die Unterlagen werden gerne ausgeliehen.

Im Grunde genommen gibt es aber nur die Lösung, dass sich ein staatliches Museum der Drucksachen, Kataloge, Bedienungsanleitungen und Fotografien annimmt, sie professionell digitalisiert und dann entweder dem Museum gegenständlich zurückgibt oder auf Dauer bei sich selbst archiviert. Auch für diese Lösung sind die Plecher offen.

 

2022 bücher

Immer wieder erreichen uns aus Spenden größere Bestände von Büchern, Fotozeitschriften und Bildbänden aus Privatbibliotheken. Alles wird sorgfältig gesichtet und möglichst auch gleich katalogisiert. Fotos: Kurt Tauber

2009 ansichtskarten

Ein kleiner Teil der vielen Hundert Glasnegative und Postkarten aus einem mittelfänkischen Ansichtskartenverlag. Teilweise sind von einem Motiv alle Bearbeitungsstufen vorhanden: Negativ, SW-Abzug und die fertige handkolorierte Ansichtskarte. 

Eine kleine – unvollständigen Liste  unserer Archiv-Schätze (ohne die “Hardware”, also die Foto- und Filmapparate selbst):

  • Über 20.000, überwiegend archivierte und sortierte, teilweise digitalisierte Gebrauchsanleitungen, dazu Prospekte
  • Hunderte Bücher rund um die Fototechnik, Labortechnik, Kamerabücher
  • Viele Bildbände mit Werken berühmter Fotografen
  • Foto-Enzyklopädien von der Time-Life-Serie bis zu mehrbändigen Werken anderer Verlage
  • Aberhunderte Firmenschriften und Dokumente (Preislisten, Kataloge, Jahrbücher und ähnliches)
  • Riesenkonvolut von Katalogen von Foto Quelle aus Nürnberg (über 70 Halbjahreskataloge, teils in mehreren Sprachen)
  • Neckermann-Fotokataloge und Kataloge anderer großer deutscher und amerikanischen Fotohändler
  • Große Bestände an Photo-Porst-Drucksachen – Broschüren, Büchern, Kataloge
  • Hunderte von Original-Ansichtskarten aus Mittel- , Ober- und Unterfranken – vor allem dem Raum Nürnberg (samt Negativen)
  • Tausende von teils internen Dokumenten und Listen aus dem Agfa-Archiv aus der Zustiftung Dieter Schade
 

Fazit: Ein lohnenswertes Betätigungsfeld für Ehrenamtliche wie für Wissenschaftler

Und dann wären da noch die Schätze an Fotografien, Glasnegativen, Dia-Magazinen voller privaten Erinnerungen oder Reiseberichten. Auch hier wäre eine fachmännische Aufarbeitung dringend nötig, um auch nur die schönsten Fotografien der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.  Hunderte von Hasselbald-Projektionsmagazinen mit Stereoaufnahmen fremder Länder, viele Familienfotos, darunter historische Aufnahmen von Automobilen und Zeppelinen, Tausende von Stereobildpaaren aus Glas, ein Album mit Aufnahmen vom Boxeraufstand in China anno 1901… 

Aber das wäre eine eigene Abhandlung für sich. Freiwillige vor!

fotoarchiv trudele buebele 1915

Eines der schönsten Bilder aus dem Fotoarchiv der Stiftung Kameramuseum Kurt Tauber: “Trudele und Bübele” war diese Aufnahme auf der Rückseite mit Bleistift betitelt. Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1915. Bei vielen Familienfotos können wir wenigstens den Zeitraum und Ort eingrenzen.

fotos china pranger

Unter den Tausenden Motiven aus der Museumssammlung stechen ein paar Fotodokumente hervor. Etwa dieses Zeitdokument vom berühmten Boxeraufstand 1901 in China. Es zeigt zwei Chinesen am Pranger. Das dazugehörige Album beinhaltet Gruppenfotos ebenso wie militärische Szenen.