Wieder eine absolute Rarität im Deutschen Kameramuseum: ein Unterwassergehäuse des amerikanischen Premium-Herstellers Gates aus den 1980er/1990er Jahren. Das – so die offizielle Typenbezeichnung – „Peterson /// Gates H 38“ ist ein hochwertiges, robustes Unterwassergehäuse aus Aluminium, entwickelt für Hasselblad-Mittelformatkameras, insbesondere die SWC (Super Wide Camera) mit ihrem festeingebauten 38-mm-Biogon-Objektiv von Carl Zeiss Oberkochen. Vom 38-mm-Objektiv dürfte auch die Typenbezeichnung H 38 stammen: H für Hasselblad, 38 für dieses Ausnahmeobjektiv.
Blende, Verschlusszeit, Schärfe und Filmtransport von außen einstellbar
Es ermöglicht die manuelle Steuerung von Blende, Verschlusszeit, Schärfe und Filmtransport von außen während des Tauchgangs. Blende und Verschluss wurden aber in der Praxis meist nach Erfahrungswerten vor dem Tauchgang eingestellt. Elektronenblitzgeräte können angeschlossen werden. Das Gehäuse bietet mit eingebauter Kamera – in unserem Falle eine Hasselblad 903 SWC von 1993 – neutralen Auftrieb und ist für Tiefseetauchgänge geeignet – ideal für anspruchsvolle Unterwasserfotografie. Das Gates H 38 ist bekannt für seine professionelle Qualität, präzise Optik und robuste Bauweise, stellt aber ein spezialisiertes und kostspieliges Gerät für Filmfotografen dar: Der Neupreis dieses Spezialgehäuses für die Hasselblad-Kameras betrug in den 1980er Jahren über 16.000 US-Dollar.
Dom mit 18 cm Durchmesser
Besonders eindrucksvoll: die riesige (Durchmesser: etwa 18 cm), hochpräzise ausgeführte Frontlinse (Dom), die aufgrund des extremen Weitwinkelcharakters des Zeiss-Objektivs so aufwändig berechnet und produziert werden musste, um Verzerrungen zu vermeiden. Das Bild oben verdeutlicht die Dimensionen des H 38 im Vergleich zur passenden Mittelformatkamera Hasselblad 903 SWC, die ja auch schon keine Kleinigkeit darstellt.
Tauchtiefe bis 76 Meter
Das Gehäuse besteht aus gefrästem Aluminium, hart eloxiert, mit Epoxidharz lackiert für lange Haltbarkeit. Verschiedene Sucher waren lieferbar, hier ein optischer Sucher zum Anpeilen des Bildausschnitts, was unter Wasser ohnehin immer ein Problem war. Der Aufstecksucher der Hasselblad SWC ist natürlich nicht verwendbar und wird deshalb vor dem Einbau abgenommen. Das Tauchgehäuse ist geeignet für Tiefen bis zu 250 Fuß (76 Meter), geprüft bis 100 PSI (etwa 6,9 Bar) und verfügt über eine eingebaute Wassererkennung: Bei Leckagen ertönt ein akustisches Signal, um das wertvolle Equipment zu schützen.
Beliebt bei Profis wegen der Verwendung von Mittelformatfilm
Das Gates H 38 war ein Nischenprodukt für die Profis und engagierten Semi-Profis unter den Unterwasserfotografen, denn es ermöglichte das Arbeiten mit Mittelformatfilm, während sonst Kleinbild-Unterwasserkameras oder Tauchgehäuse für Kleinbildkameras dominierten. Gates-Gehäuse werden auch heute noch von Profis wegen ihrer überlegenen Optik und Zuverlässigkeit unter anspruchsvollen Bedingungen sowohl beim Fotografieren als auch beim Videografieren eingesetzt.
Teil der Spende Kuhn: Dieses rare Unterwassergehäuse stammt aus einer größeren Zustiftung aus der Sammlung Peter Kuhn. Die große Leidenschaft dieses Hamburger Augenarztes war schon früh das Tauchen und die Unterwasserfotografie.
Weitere Exponate aus der Sammlung Peter Kuhn:
- Die passende Kamera dazu: Hasselblad 903 SWC.
- Hasselblad Magazin 24 (A 24)
- Hasselblad Magazin 70 (A 70)
- Hasselblad Sucher SWC
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