Die Vorkriegs-Mentor-Kameras von Goltz und Breutmann aus Dresden waren bei Berufsfotografen (und sind es heute noch bei Sammlern) sehr begehrt. Dass es aber auch Ende der 1950er Jahre in der DDR eine Neukonstruktion einer Mentor mit einem Gehäuse nur aus Metall gab, das überrascht doch. Die hier beschriebene Mentor Studio 13 x 18 cm, die von damaligen Firmeninhaber Rudolf Großer entwickelt und Ende der 1950er Jahre auf den Markt gebracht worden war, wurde in kleinsten Stückzahlen sogar noch bis in die 198oer Jahre hinein gefertigt.
Das Museumsmodell soll aus dem Jahre 1974 stammen. Hersteller war da bereits der „VEB Großformatkameras Dresden“, eine der Nachfolgefirmen der 1972 in der DDR verstaatlichten Mentor Kamerafabrik Goltz & Breutmann. Der „Volkseigene Betrieb“ Großformatkameras seinerseits wurde 1980 aufgelöst und in den VEB Pentacon eingegliedert.
Übrigens ist der Name „Studio“ irreführend: Es handelt sich hier eben nicht um eine reine Studio-Kamera, sondern vielmehr um eine universell verwendbare, transportable Laufbodenkamera mit doppeltem Auszug und Verstellmöglichkeiten im Stile der westdeutschen Linhof Technika.
Das Negativformat beträgt 13 x 18 cm, der Mattscheibenrahmen ist drehbar und die etwa sechs Kilo schwere Kamera hat alle möglichen Verstellmöglichkeiten. Schlitzverschluss mit B sowie 1 bis nur 1/30 Sekunde (bei früheren Modellen bis 1/100 Sekunde). Die Kamera besitzt nämlich einen bei solchen allseits verstellbaren Laufbodenkameras unüblichen Fokalebenenverschluss. Das bedeutet, dass der Schlitzverschluss kurz vor der lichtempfindlichen Platte abläuft. Damit konnte eine Vielzahl von verschiedenen – auch historischen – Objektiven adaptiert werden ohne Rücksicht auf etwa eingebaute Zentralverschlüsse. Auf dem Foto des Museumsexemplars befindet sich allerdings ein handelsübliches Großbildobjektiv mit Zentralverschluss.