Absolut seltene Kleinbildkamera in Form eines Maschinengewehrs für den Kleinbildfilm 135 (Meterware), hergestellt bei Konishiroku (später Konica) in Japan vor 1945. Die Kamera ist ein Model 2 des Typs 89 mit einem 75-mm-Hexar-Objektiv, das vor allem in Jagdflugzeugen und landgestützten Bombern zur Dokumentation der Angriffe und Angriffsschäden verwendet wurde – dachten wir zunächst.
Doch andere Veröffentlichungen nannten als Verwendungszweck dieser Apparatur vor allem das Schießtraining der angehenden japanischen Bordschützen. Das erklärt so manche Details, auf die wir uns anfangs keinen Reim machen konnten. So gibt es hier zwei Objektive: das Aufnahmeobjektiv, ein Rokuoh-sha Hexar Ser. 1 1:4,5/7,5 cm, Seriennummer 24923 (in Aufnahmeposition im schwarzen Rohr rechts im Bild). Ebenfalls eingebaut (halb verdeckt oberhalb des Ansatzes des Objektivtubus), ein Rokuoh-sha Hexar Ser. 1 1:4,5/40 mm, Seriennummer 5697 – doch wozu?
Ziffernblatt einer laufenden Stoppuhr wird auf den Film eingespiegelt
Beim Training wurde oberhalb des Zusatzobjektivs eine zur Ausrüstung gehörende mechanische Stoppuhr (in Form einer klassischen Taschenuhr) angebracht. Über einen aufgesetzten Spiegel am Ende eines halb verglasten Rohres, ein Prisma und einen kleinen Spiegel in der Filmkammer wurde das Ziffernblatt dieser Stoppuhr durch das 40-mm-Hilfsobjektiv auf den Film eingespiegelt, sobald der angehende Bordschütze den Abzug betätigte. Mittels einer raffinierten Mechanik war die Stoppuhr so gekoppelt, dass sie zu ticken aufhörte, wenn der Schütze aufhörte zu „feuern“ oder eine Pause einlegte. Damit konnten die Zeiten, in denen der Schütze den Abzug betätigte oder pausierte, genau dokumentiert werden.
Nach dem Entwickeln der Filmsequenzen erhielt der Schießschüler exakte Anweisungen, wie seine Feuergeschwindigkeit effizienter gesteuert werden konnte. Und vor allem: Diese Trainingsmethode sparte jede Menge sonst sinnlos verschossener Munition. Erst wenn die Technik beherrscht wurde, durfte der Schütze an echten MGs üben.
Es gab übrigens zwei Variationen beim praktischen Einsatz im Flugzeug: Zum einen konnte das Gerät vom Piloten selbst per elektrischer Kabelfernbedienung ausgelöst werden und zum anderen manuell direkt vom Bordschützen.
Ringvisier wie beim Vorspann des TV-„Tatort“-Krimis
Ein optischer Sucher ist nicht vorhanden, „gezielt“ wurde mittels „Kimme und Korn“, zwei Bauteile, die beim Museumsmodell nicht mehr vorhanden sind. Vorne am Objektivtubus war ein massiver Eisenstab als „Korn“ angebracht und auf der Filmkammer am Ende des Objektivtubus thronte ein Ringvisier in der Optik des stilisierten Fadenkreuzes, das seit Jahren im Vorspann des TV-Kultkrimis „Tatort“ verwendet wird.
Federwerksantrieb mit 10 Bildern pro Sekunde
Der Verschluss ist ein Rotationsverschluss. Eingebaut ist ein Federwerksantrieb, der mit mehreren Dreiviertelschwüngen der fast überdimensionierten Kurbel aufgezogen wird und Serienaufnahmen mit 10 Bildern pro Sekunde ermöglichte. Das Aufnahmeformat beträgt 18 x 24 mm (Halbformat wie im Kino), der Film soll 2,5 Meter lang gewesen sein. Die Kamera besitzt ein gekuppeltes Zählwerk, an dem man die Zahl der Aufnahmen ablesen kann. An vier massiven Ösen konnte die Maschinengewehrkamera in den Flugzeugen oder auf einer Übungslafette befestigt werden.
Seriennummern am Gehäuse: 24923 (= Aufnahmeobjektiv); 10960; 7126 (Seriennummer Gehäuse). Nach manchen Berichten wurden bereits 1929 vier dieser Geräte als Prototypen zu Versuchszwecken hergestellt (das Jahr 2589 im japanischen mythologischen Kalender), was die Typenbezeichnung 89 erklären soll. Der verbesserte Typ wurde demnach von 1931 bis etwa 1944 produziert und eingesetzt.
Siehe auch: Konishiroku SK-100 Luftbildkamera.