Der Kamerakonstrukteur Oskar Barnack (1879-1936) ist der Erfinder der weltberühmten Schraub-Leica, die die Reportagefotografie in den 1920er und 1930er Jahre revolutionierte und heute noch bei Sammlern in aller Welt hoch in Kurs steht. Aus seiner privaten Ur-Leica entstand eine Generation von Fotoapparaten, die schnell zum Arbeitszeug der Profis und zum Sehnsuchtsobjekt der meisten Fotoamateure avancierte.
Der Vater der weltberühmten Leica-Kamera
Oskar Barnack wurde am 1. November 1879 in Lynow (Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg) als Sohn des Landwirts Ferdinand Barnack und seiner Frau Karoline geboren. Im Alter von drei Jahren zog Barnack mit seinen Eltern nach Groß-Lichterfelde. 1893 begann er eine Lehre als Feinmechaniker in der Lichterfelder Meisterwerkstätte für feinmechanische Instrumente Julius Lampe.
Nach Lehr- und Wanderjahren, die ihn nach Bozen, Dresden, Glashütte, Wien und Jena (Zeiss) 1911 als Mechanikermeister zum Mikroskop-Hersteller Ernst Leitz nach Wetzlar führte, übernahm Barnack ein Jahr später bereits die Leitung der Versuchsabteilung für Kinokameras.
In seiner Freizeit beschäftigte sich Barnack mit Naturfotografie, war aber wegen seines Asthmas dabei nicht in der Lage, die großen und schweren Platten- und Großformatkameras zu transportieren.
So entwickelte er in Privatinitiative in den Jahren 1913/14 eine kleine Fotokamera, die ebenfalls mit auf kleinen Rollen gezogenem 35-mm-Filmmaterial arbeiten konnte bei einem Aufnahmeformat von 24 x 36 mm (sogenanntes Kleinbildformat) – die Ur-Leica. Das Format entstand aus der Verdopplung des Kino-Negativformats von 18 x 24 mm. Barnack nutzte die Ur-Leica auch, um bei den allfälligen Belichtungsproben vor Kinoaufnahmen nicht so viel Filmmaterial vergeuden zu müssen. Mit der neuen handlichen Kamera ging das viel schneller und billiger.
Wegen seiner Lungen- und Bronchialprobleme machte er häufig Kuren. Am 19. Januar 1936 verstarb er während eines Kuraufenthaltes in Bad Nauheim an den Folgen einer Lungenentzündung. Die Beisetzung erfolgte in Wetzlar.