Bei diesen antiquen Fotoschätzen ist es nicht immer einfach, zu entscheiden, ob es sich um eine Ambrotypie oder doch um eine Daguerreotypie handelt. Eine Ambrotypie (Melanotypie, Amphitypie oder kurz Ambro, von dem griechischen Wort ambrotos „unsterblich“) ist ein fotografisches Scheinpositiv, das im nassen Kollodiumverfahren hergestellt wird und zwischen 1852 und 1890 verwendet wurde. Die Ambrotypie wurde vor allem als preiswerter Ersatz für die Daguerreotypie genutzt.
Expertise von Michael Straßburger
Das vorliegende Bildnis einer Dame ist laut dem Leipziger Daguerreotypie-Spezialisten Michael Straßburger tatsächlich eine Daguerreotypie, also hergestellt im ersten kommerziell nutzbaren fotografischen Verfahren des 19. Jahrhunderts, bei dem Bilder auf einer lichtempfindlich gemachten, versilberten Kupferplatte festgehalten werden. Entwickelt wurde das Verfahren um 1837 von dem französischen Maler und Erfinder Louis Daguerre auf der Grundlage von Vorarbeiten von Joseph Nicéphore Niépce. Offiziell vorgestellt und veröffentlicht wurde es am 19. August 1839 in Paris.
Vermutlich aus Großbritannien
Dass es sich um eine Daguerreotypie handelt, ist klar erkennbar an der Oxidation am oberen linken Bildrand und an der silbrig-schwarzen Rückseite. Ein deutlicher Beweis für eine Daguerreotypie ist die luftdichte Verklebung der versilberten Kupferplatte mit der Glasscheibe mittels geleimten Papierstreifen. Die Daguerreotypie stammt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus Großbritannien oder den Ländern des Commonwealth und wurde wohl 1858 oder 1859 aufgenommen.
Die Anhaltspunkte für diese Datierung: Das Etui (Case) ist ein so genanntes „Plain(ish) British Case“ in der einfachen Ausführung der „Brit Box“ welche in Großbritannien und dem Commonwealth in der Zeit von 1855 bis 1863 nachweisbar ist. Der Messingrahmen am Bildrand (Preserver) ist ein so genannter „Florid Preserver“ (Blumenornamente), welcher in dieser Ausführung zwischen 1857 und 1861 nachgewiesen
werden kann.
Typische Farbe und Ornamentik
Das Samtkissen im Deckel des Etuis war mit großer Wahrscheinlichkeit einmal rot und ist sicherlich ausgeblichen. Die Ornamente wurden mit heißen Metallstempeln in den Baumwollsamt gestempelt. Die Farbe und die Ornamentik lassen auf einen Zeitraum zwischen 1855 und 1859 schließen.
Solche kleinen Reisealben – geschlossen gerade mal 6 x 7,5 x 1,5 cm groß – waren sehr beliebt, um um Reisen den Liebsten oder die Liebste immer bei sich zu haben.
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