1952 brachten die KW Kamerawerke in Niedersedlitz bei Dresden die weltweit erste Systemkamera mit sieben Zubehörwechselstellen und zehn möglichen Anschlussgeräten heraus, die Praktina FX, und 1958 das Folgemodell Praktina II a. Der hier vorgestellte mechanische Schnellaufzug war eines dieser Geräte für die Praktina-Serie, und nur für diese. Alle Praktina-Modelle hatten nur einen Drehknopf für den Filmtransport. Am Boden des Kameragehäuses werden zwei Nocken des Schnellaufzugs in die Anschlussstelle eingerastet, der Schnellaufzug wird anschließend zur Befestigung verschraubt. In seinem Innern befindet sich ein Getriebe, der Hebel zum Filmtransport muss deshalb nur etwa um 180 Grad bewegt werden, während sich die Spule im Kameragehäuse um 360 Grad dreht.
Außerdem ist ein Druckknopf integriert, damit im montierten Zustand die darunter befindliche Filmrückspulsperre entriegelt werden kann. Der Schnellaufzug ist wie das ganze Praktina-System sehr durchdacht und aufwändig konstruiert.
In den frühen 1950er Jahren die große Ausnahme
Ein eingebauter Schnellaufzug mit einem so kurzen Hebelweg war bei Kameras in den 1970er Jahren eine Selbstverständlichkeit, zu Beginn der 1950er Jahre war er die absolute Ausnahme. Für Kameras mit Drehknopf zum Filmaufzug wie KW Praktica FX und FX 2, Spiegel-Contax und Schraubleica gab es als Behelfslösung aufsetzbare Adapter, etwa den japanischen Accura Accurapid, allerdings mit einem umständlichen Hebelweg von 360 Grad und einer für die rechte Hand „falschen“ Drehrichtung im Uhrzeigersinn. Weltweit nur zwei Kameras von Ihagee Dresden besaßen überhaupt einen eingebauten Schnellaufzug, die Standard Exakta 127 (auch VP Exakta genannt) von 1934 und die Kine Exakta ab 1936 nebst ihrem Folgemodell mit der Bezeichnung Exakta Varex.
Mit Links ging das einfacher
Der Hebelweg war bei diesen Kameras erheblich länger, wenn auch nicht ganz 360 Grad. Diese Kameramodelle waren für einen solchen Hebel eher geeignet, da sich der Filmaufzug vom Fotografierenden aus gesehen links am Kameragehäuse befand, der Hebel deshalb ergonomisch sinnvoll mit der linken Hand im Uhrzeigersinn nach vorn bewegt werden konnte. Bei den meisten anderen Kameras befand sich der Aufzugsknopf oben rechts, so dass ein Schnellaufzug umständlich im Uhrzeigersinn vom Fotografierenden weg nach vorn hätte erfolgen müssen.
Zwischengetriebe brachte die Lösung
Spätere Konstruktionen lösten das Problem durch ein in Gegenrichtung arbeitendes Getriebe, der Fotografierende konnte dadurch den Hebel mit der rechten Hand gegen den Uhrzeigersinn bedienen. Wie schwer dies konstruktiv zu lösen war, zeigen die Versuche bei Kodak in Stuttgart. Die zweite Version der Kodak Retina II Nr. 122 von 1936 hatte einen eingebauten Schnellaufzug rechts oben am Gehäuse. Schon ein Jahr später schaffte Kodak diesen beim Folgemodell Kodak Retina II Nr. 142 wieder ab, da er nicht zuverlässig arbeitete, und kehrte 14 Jahre lang zum Drehknopf zurück. Erst 1951 hatte die Kodak Retina Ia einen Schnellaufzug, 1954 die Leica M3, erst 1958 gelang es bei der Zeiss Ikon Contaflex, 1959 bei der Praktica IV, allerdings nur am Boden des Gehäuses, erst 1964 hatte die Praktica Nova den Schnellaufzug an der später üblichen Stelle oben rechts am Gehäuse.